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Auswandern – Unser Weg nach Paraiso Verde in Paraguay Teil 3

Unsere Ankunft in Pira Tava markierte für uns den Beginn eines völlig neuen Lebensabschnitts im Paraiso Verde. Nach den aufregenden Wochen der Vorbereitung, der unerwarteten Hürden auf der Reise und den Erfahrungen im Quarantäne-Hotel war dieser Moment mehr als nur eine Etappe.

Er fühlte sich wie das wirkliche Ankommen an. In diesem dritten Teil unserer Auswanderungsreise nehmen wir dich mit in unsere ersten Tage vor Ort, unsere Eindrücke, die Begegnungen mit den Siedlern und die spannenden Ereignisse auf dem Weg zu unserem eigenen Grundstück, zum Casa del Sol.

Rückblick

In den ersten beiden Teilen berichteten wir, wie wir auf die Idee kamen, auszuwandern und warum unsere Wahl letztlich auf Paraguay fiel.

Wir beschrieben unsere Schwierigkeiten bei der Planung unseres Casa del Sol, so nannten wir unser Haus später. Denn wir wurden auf der Südhalbkugel mit der Nord-Süd-Umkehr der warmen bzw. kalten Himmelsrichtung konfrontiert.

Dramatisch wurde es beim Check-in, als unser Test plötzlich ungültig war und man uns nicht mitfliegen lassen wollte. Besonders skurril war dann die Situation in unserem Quarantäne-Hotel mit Balkon aber ohne Balkontür.

Der zweite Teil endete mit der Übergabe eines Gesundheits-Zertifikates im Quarantäne-Hotel als Fahrkarte in die Freiheit. Endlich konnten wir nach Paraiso Verde fahren!!

Ankunft in Pira Tava – ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Bei sonnigem Wetter starteten wir in Asuncion und fuhren zunächst zum Flughafen, denn dort war zum Glück inzwischen mein bei der Anreise verlorengegangener Koffer eingetroffen.

Wir fuhren Richtung Süden. In Villarrica hielten wir in einem Supermarkt an und erledigten erste Besorgungen für den künftigen Alltag. Gerhild hatte sich eine Einkaufsliste erstellt, die wir schnell abarbeiteten. Ein Wasserkocher stand ganz oben auf der Liste.

Auf der Piste von der Kreisstadt Caazapa nach Paraiso Verde kam wieder jenes vertraute Gefühl hoch, das wir schon bei der Inforeise, 13 Monate vorher hatten: Ruhe, Geborgenheit, wir sind angekommen!

Als wir in Pira Tava, quasi dem „Dorf-Zentrum“ von Paraiso Verde ankamen, wurden wir von vielen Siedlern freudig begrüßt.

Uns wurde zunächst ein Zimmer im Newtel zugewiesen. Es war Erstbezug, direkt am Lago Pira Tava. Vor der Tür türmten sich noch die Erdhaufen vom Bau.

Das Zimmer war spartanisch eingerichtet, hatte ein Doppelbett, einen Schrank und einen kleinen Tisch, Dusche und WZ.

Mittagessen gab es im alten Herrenhaus. Stephan´s Backstube und das Bambambo gab es noch nicht. Nur der Minimercado und die Wäscherei hatten schon geöffnet.

Ankunft in Pira Tava in einem der Gästezimmer bei den Newtels

Unser Essplatz im Newtel. Unmittelbar nach Ankunft kauften wir uns diesen Tisch und vier Stühle, um unser Leben im sehr beengten Newtel schrittweise zu normalisieren.

Die erste Expedition zur Baustelle nach unserer Ankunft in Pira Tava

Wir kamen Samstag an und am Sonntag wollten wir unbedingt zu unserer Baustelle. Dass mit dem Bau begonnen wurde, das wussten wir, aber wir hatten keine Ahnung, wie weit sie schon waren:

Nur die Bodenplatte? Hatten sie schon angefangen zu mauern? Keine Ahnung! Entsprechend groß war unsere Spannung. Wir schliefen erstmal aus, frühstückten, nahmen den Lageplan her und suchten den kürzesten Weg in Richtung unseres Grundstücks und starteten Richtung Süden.

Nach ca. einer halben Stunde Fußmarsch ging es am Internet-Container plötzlich nicht mehr weiter: Eine Brücke fehlte! In der Ferne sahen wir eine Baustelle. Mauern ragten heraus. Was wir aber nicht erkennen konnten war, ob es unsere oder eine benachbarte Baustelle ist.

Inzwischen war es sehr warm geworden und schon nach 11:00 Uhr. 12:00 Uhr gab es Mittagessen. Wir mussten umkehren, zurück ins Dorf, zurück nach Pira Tava. Wir aßen zu Mittag und machten dann unsere Siesta. Danach, wenn es sich etwas abgekühlt hatte, starteten wir erneut.

Diesmal blieben wir auf der Hauptstraße. Nach fast genau 30 Minuten Fußmarsch erreichten wir unser Ziel: Ja! Es war unsere Baustelle, die wir am Vormittag aus der Ferne sahen!

Endlich angekommen: Der erste Blick auf unser Haus

Tatsächlich waren die Mauern schon viel höher, als wir erwartet hatten!
Und im See war auch schon Wasser! Wir waren begeistert!!
Ein unbeschreibliches Gefühl der Freude und Genugtuung erfüllte uns.

Wenn ich heute die Bilder von damals sehe, wundere ich mich über uns, dass wir nicht verzweifelten: Alles kahl, viele Bereiche mit nackter, lehmiger aufgefüllter Erde, dort wo noch Gras wuchs, war es zur Hälfte ein sehr hartes Gras, das Du nicht im Garten haben möchtest und ein See ohne Zugang …

Aber das sahen wir damals nicht. In unseren Gedanken sahen wir schon unser grünes Paradies und wir wollten keinen Tag versäumen, um es Realität werden zu lassen!

Schnellstart: Die ersten 120 Bäume werden gepflanzt

Nach unserer Ankunft in Pira Tava am Samstag saßen wir bereits am Montag bei Erwin Annau, dem Vater des Projektes El Paraiso Verde, im „Roten Haus“, seinem Büro und Wohnhaus, um die nächsten Schritte zu besprechen.

Für Mittwoch wurde vereinbart, dass die Mitarbeiter der Gärtnerei die ersten 120 Bäume und Sträucher pflanzen.

Unsere vier, während unserer Inforeise im Vorjahr gepflanzten Bäume standen noch. Sie hatten das Jahr ohne Pflege überstanden. Den Lapacho und den Mango-Baum gibt es heute noch.

Für diese Pflanzaktion gab es einen Pflanzplan. Primär ging es um die Bepflanzung der Grundstücksränder. Speziell nach Süden, von wo hier der kalte Südwind kommt, hatten wir eine dichtere Bepflanzung geplant.

Jener Mittwoch war ein sehr windiger Tag und wir mussten immer wieder aufpassen. Dass die gespannten Schnüre nicht zu sehr zur Seite geschoben wurden.

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Nach dem Pflanzen der Bäume und Sträucher waren wir tief beglückt. Noch nie hatten wir so viele Bäume gepflanzt bzw. pflanzen lassen. Trotz der scheinbar gewaltigen Zahl, sind diese Bäume auf den Bildern in der Landschaft kaum zu sehen!

Der Gieß-Kannen-Marathon

Oktober ist in Paraguay ein Frühlingsmonat und die Temperaturen erreichen schnell mal 30…35 Grad Celsius. In der Verbindung mit Sonnenschein und Wind trocknet das den Boden schnell aus und stresst frisch gepflanzte Bäume und Sträucher erheblich.

Die Konsequenz ist: Gießen!

Zum Glück war ja auf dem Grundstück ein ca. 220 qm großer See, etwa zur Hälfte bereits mit Regenwasser gefüllt. Es gab für uns leider nur ein kleines Problem: Der See hatte keinen Zugang, nur ringsum steile Böschungen.

Lediglich an einer Stelle hat des von der einen Bodenplatte abfließende Wasser eine Art Zugang in die Böschung geschnitten. Diese war im Bereich des Wasserspiegels aber sehr rutschig…

Gerhild besorgte in Caazapa vier Gießkannen und dann ging es los: In den kühleren Morgenstunden und am Nachmittag nach der Siesta liefen wir oft auch gemeinsam raus, um zu gießen.

Wir empfanden diese täglich viermal 30 Minuten Fußmarsch von und zur Baustelle nicht so sehr als last, sondern mehr als Fitnesstraining.

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Oft nahmen wir unser Frühstück mit raus. Aus Ziegelsteinen und Paletten hatte ich uns einen kleinen Rastplatz gebaut.

Mit den zwei 10-Liter-Gießkannen Bäume zu gießen, die auf 5.000 qm verteilt sind, war für mich mit meinen damals 71 Jahren ein willkommenes Krafttraining.

Gegenwind nach Ankunft in Pira Tava

Damals, Ende 2020, lebten alle Siedler in Pira Tava, im Dorf, wie wir es oft scherzhaft nennen. Viele Häuser waren im Bau, aber noch war kein Haus bezugsfertig.

Relativ schnell mussten wir die Erfahrung machen, dass nicht alle Siedler so optimistisch und konsequent an ihr Projekt in Paraiso Verde herangingen.

Die häufigsten „Warnungen“, die wir „ganz vertraulich“ bekamen waren:

„Da wächst nie etwas!“

„Da wirst Du nie einen Stromanschluss bekommen!“

„Da bekommst Du nie einen Titel im Grundbuch!“

Wie wir damit umgingen und wie sich die Dinge weiterentwickelten, das berichte ich Dir im vierten Teil. Ich kann Dir versichern:

„Es wird sehr spannend“!

Gern kannst Du auch mal meinen Telegramkanal besuchen. Er berichtet über den Alltag und die aktuellen Entwicklungen im Umfeld des Casa Charlotte, meiner neuen Heimat.

Heinz
Heinz

Heinz, Jahrgang 1949, kam 2020 gemeinsam mit seiner Partnerin nach Paraiso Verde. Ursprünglich wollten sie nur das europäische Winterhalbjahr in Paraguay verbringen. Sie verliebten sich in den Standort, blieben und schufen sich dort ihr eigenes kleines, grünes Paradies. Heinz hat seine Freude an der Gartengestaltung und gibt seine Erfahrungen gern an die Gemeinschaft weiter.

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2 Comments

  1. Brigitte Boran Brigitte Boran

    Lieber Heinz, sehr spannend Deine Berichte, ich lese sie gerne. Bestimmt interessieren sich auch viele bezüglich Krankenversicherung, bzw. Selbstzahler und wie dort die Krankheitskosten sind beim Arzt, Zahnarzt oder Krankenhaus.

    Danke und viele Grüsse, bis bald…ich fliege am 14. Januar zu Euch für 6 Wochen.

    • Heinz Klötzner Heinz Klötzner

      Vielen Dank, liebe Brigitte! Auf diese wichtigen Themen werde ich auch noch ausführlich eingehen.
      Für viele Mitteleuropäer ist es ja kaum vorstellbar, keine Krankenversicherung zu haben.
      Hier ist es sinnvoller, Geld zur Seite zu legen, um für den Fall der Fälle etwas verfügbar zu haben.
      Wir freuen uns auf Deinen Besuch!
      Gesegnete Feiertage und guten Rutsch ins neue Jahr!!

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